AVOIDANCE

1.5  Avoidance – Vermeiden

Der zweite Aspekt von Situationsbewusstsein in diesem Zusammenhang, ist die Reaktion auf solche Situationen in denen ich mich aus welchem Grund auch immer unsicher fühle. Denken wir nochmal kurz an unsere Superagenten zurück, die planen ja in Sekundenschnelle wie sie ihre Gegner ausschalten, wohin sie flüchten, usw. So müssen wir in solchen Situationen auch denken, nicht zwangsweise so schnell und präzise, aber dennoch in diesem Sinne. Was wir brauchen ist ein Plan für Notfälle, erst einmal ein universeller, was tue ich, wenn mich irgendwann, irgendwo einmal jemand angreifen sollte? Habe ich denn überhaupt irgendeine Vorstellung was ich tun könnte? Es gilt also sich gewisse Verhaltensmuster einzuprägen, was mache ich wenn… Ein Plan der durchdacht ist und den man sich merkt für den Fall der Fälle, genauso wie ich es meiner Tochter mit auf den Weg geben würde, da haben wir doch plötzlich alle einen Plan, oder nicht?

In unseren Selbstverteidigungskursen, lernt man viel über solche Situationen und was man effektiv tun kann um sich zu helfen. Sind mir gewisse Risiken oder Gefahren bekannt kann ich auch schon vorbeugend planen, z.B., wenn ich weiß das es abends unsicher ist durch den dunklen Park nach Hause zu gehen, dann muss ich mir eben im Vorfeld Alternativen überlegen, kann ich nicht einen längeren aber dafür beleuchteten Weg nehmen, oder kann mich jemand abholen, gibt es ein Taxi das man nehmen kann, gibt es auf dem Weg irgendwelche Orte wo zu dieser Zeit noch jemand arbeitet, z.B. eine Tankstelle, Fast Food, Kneipe. Man denkt ja auch meist nie an alle Möglichkeiten, z.B. arbeitet in jedem Hotel jemand nachts, viele Gewerbeobjekte haben Wachleute die nachts an der Pforte sitzen, usw.

Es gibt also durchaus verschiedene Optionen die man berücksichtigen kann, wenn man sich im Vorfeld einmal wirklich Gedanken macht über die Situation. Ich gebe jetzt nochmal ein anderes populäres Beispiel, wir gehen ja alle gerne aufs Volksfest oder Oktoberfest und das ist ja auch ein Erlebnis für die ganze Familie. Aber ich persönlich stufe diese Art von Massenveranstaltung, vor allem im Zusammenhang mit dem erhöhten Alkoholkonsum als recht Gefährlich ein. Das bedeutet nicht, dass ich mir oder meinen Kindern den Spaß nehmen lasse und aus Angst nicht hingehe, nein sicher nicht, aber ich bin mir bewusst, dass es dort eben auch mal gefährlich sein kann. Also beuge ich entsprechend vor und um es gleich vorweg zu sagen, nein ich tu mich nicht etwa bewaffnen oder sonst irgendwie auf Konflikte vorbereiten, vielmehr sprechen wir Spielregeln ab. Was tun wir, wenn wir uns verlieren, wo treffen wir uns? Wie reagieren wir, wenn irgendwelche Betrunkenen uns anrempeln oder anpöbeln? Wer passt wie auf Geldbeutel, Handtasche, Autoschlüssel auf?

Und wenn es zum schlimmsten kommen sollte und man sich doch in irgendeinem Gerangel oder einer Auseinandersetzung finden sollte, dann haben wir auch Regeln, dass sich Frau und Kinder distanzieren und aus sicherer Entfernung beobachten ob man Hilfe rufen muss, die Polizei verständigen oder zum Auto flüchten. Das mag dem einen oder anderen schon ein wenig paranoid klingen, aber eigentlich ist das eben nur ein kurzes Familien Briefing auf dem Weg vom Auto in Richtung Fest und der Spaß kann losgehen.

Kann man dem Ärger nicht aus dem Weg gehen, muss dies noch immer nicht das Ende sein. Deeskalation ist hier das Zauberwort! Wir reden hier also noch von einem Moment bevor sich ein Konflikt in eine körperliche Auseinandersetzung entwickelt.

Oft entwickeln sich solche Auseinandersetzungen langsam, z.B. erst als verbaler Konflikt und schaukeln sich dann langsam hoch. Hier kann man oft mit einer entsprechenden Haltung verhindern, dass es auch tatsächlich zu einer Auseinandersetzung kommt. Gerade hier gibt es aber keine universellen Lösungen, sondern Deeskalation ist Situationsabhängig. Manchmal hilft schon einfaches ignorieren, z.B., wenn man angepöbelt oder angerempelt wird. Lässt man sich nicht aus der Ruhe bringen und provozieren und läuft einfach bestimmt weiter, kann das in vielen Situationen schon die Lösung sein. Manchmal hilft auch ein schon fast in Vergessenheit geratenes Zauberwort, „Entschuldigung“. Man denke nur an die klassische Situation im Autoalltag, jemand drängt sich im dichten Feierabendverkehr frech vor uns und man denkt sich „was für ein…“, vollkommen unerwartet hebt dieser plötzlich die Hand und entschuldigt sich. Verblüfft stellt man dann fest, dass der zwar trotzdem sowas von frech war, aber diese Geste nimmt einem irgendwie die Wut. So ist das auch wenn einen jemand anrempelt, vielleicht provoziert der ja auch absichtlich und sucht jemand der entsprechend reagiert, und dann sagt der andere unerwartet „Sorry, hab dich nicht gesehen…“ Das klappt natürlich nicht immer, aber einen Versuch ist es immer Wert und wenn man stattdessen mit einer gleichermaßen aggressiven und vielleicht auch ausfälligen Art reagiert, ist die Grundlage für eine Auseinandersetzung eher gegeben.

Das bedeutet natürlich nicht man soll immer klein beigeben und sich demütig geben. Ganz im Gegenteil, man muss hier mit seiner Körperhaltung und Gestikulation ganz klar einen Strich ziehen und dem potenziellen Angreifer klar zu verstehen geben, dass man keinen Streit sucht aber die Situation erkannt hat. Das heben der Hände schützend vor den Körper in eine Abwehrhaltung signalisiert zum einen Bereitschaft, ist aber gleichzeitig keine aggressive Geste. Sollte es dennoch zum Angriff kommen, sind unsere Hände genau da wo wir sie haben wollen um uns verteidigen zu können. Auch aus einem kurzen Gerangel in dem vielleicht auch schon mal ein paar Streicheleinheiten ausgetauscht werden, kann man so ganz gut herauskommen. Die Fähigkeit Konfliktsituationen Verbal zu lösen und zu Deeskalieren ist vor allem für Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten und Einsatzkräfte wie Polizei und Rettungsdiensten sehr wichtig.

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2019-05-18T17:45:34+00:00
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