AWARENESS

1.4 Awareness – Aufmerksamkeit

Wir nennen das auch gerne Situationsbewusstsein und immer wenn es um Selbstverteidigung geht, weise ich auf die Wichtigkeit von Situationsbewusstsein hin.

Immer wieder hört man Leute sagen das man sich doch in Situationen wo man von einem Angreifer überrascht wird, sowieso nicht wehren kann und was nütze da alles was man zur Selbstverteidigung lernt?

Solchen Aussagen muss ich eindeutig widersprechen!

Aber schauen wir uns doch einmal genauer an was eigentlich mit Situationsbewusstsein gemeint ist?

Wir leben in einer schnelllebigen Welt in der Zeit wertvoll ist, vieles muss daher schnell geschehen, wir haben keine Zeit zu verlieren und sind immer in Eile, die Kinder zur Schule fahren, zur Arbeit, auf dem Heimweg noch schnell Einkaufen, Essen machen, die Kinder zum Training fahren, ab ins Fitness Center und wieder schnell nach Hause. Das kann schon alles recht hektisch und auf Dauer auch stressig sein. Wir haben oft gar keine Zeit unsere Umgebung wirklich bewusst wahrzunehmen, stattdessen rasen wir durchs Leben von einer Verpflichtung zur anderen.

Viele von uns starren bei jeder Gelegenheit auf die Bildschirme unserer Smartphones, im Auto, in der Straßenbahn, auf der Straße, überall eigentlich, sogar zu Hause und ebenso viele entfliehen dem Alltag indem sie ihre Kopfhörer aufsetzten und in ihrer kleinen imaginären Welt versinken. Doch dieser moderne Lebensstil bringt andere Gefahren mit sich, wir sehen und hören nicht mehr was um uns herum geschieht. Es geht hier also vorrangig darum, dass unsere natürlichen Sinne die uns normaler Weise zur Verfügung stehen, ausgeblendet oder obstruiert werden. Wie funktioniert das jetzt also mit der Wahrnehmung und wie kann man das lernen?

Wir alle kennen ja Filmhelden wie James Bond, Jason Bourne oder Ethan Hunt, allesamt hochkarätige Geheimagenten die ihren Gegner vor allem durch eins immer überlegen sind, durch eine extrem schnelle und präzise Auffassungsgabe. So läuft ein solcher Superagent in einen Raum und scannt in Sekundenschnelle wie viele Menschen sich dort befinden, wer wo steht, ob er da auch hingehört und wer verdächtig aussieht, in welcher Reihenfolge er seine Gegner mit Hilfe von vorhandenen Utensilien im Raum eliminieren wird, usw.

All dies ist natürlich in Hollywood Manier grenzenlos übertrieben und doch beruht es auf tatsächlichen Fähigkeiten die z.B. Polizisten und Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten die im Personen und Objektschutz arbeiten im wahren Leben haben müssen und deren alltägliche Arbeit darin besteht Gefahren rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Dieses Beispiel dient mir hier natürlich nur zur Illustration, ich wollte damit nur verdeutlichen das so etwas durchaus erlernbar ist und auch wirklich praktiziert wird, von normalen Menschen, nicht von Superagenten. Ebenso bin ich mir bewusst, dass diese Art von Sinnesschärfung nicht zum alltäglichen Repertoire z.B. einer Hausfrau gehört, oder vielleicht doch? Wie ist das denn mit Müttern die immer ein wachsames Auge auf ihrem Kind haben, egal was sie gerade tun und erkennen sie nicht auch vermeintliche „Gefahren“ rechtzeitig bevor etwas Schlimmeres passiert? Ich bin sicher so manche Mutter stimmt mir jetzt zu. Also ihr seht schon worauf ich hinaus will, wenn uns etwas wichtig ist und wir deswegen unsere Aufmerksamkeit darauf richten, können wir durchaus aktiv Dinge rechtzeitig wahrnehmen die um uns herum geschehen und eine eventuelle Gefahr für uns oder andere darstellen. Genau darum geht es also, wenn wir von Situationsbewusstsein sprechen.

Es geht um die Fähigkeit seine Umgebung aktiv wahrzunehmen, statt den Blick nur aufs Smartphone gleiten lassen, wenn man zum Auto läuft oder die Umgebung auszublenden, wenn man auf dem Heimweg die Kopfhörer aufsetzt. Man muss hier erst einmal gar nicht irgendetwas Besonderes lernen um durch bessere Wahrnehmung seine Sicherheit zu erhöhen, wir haben das alles schon als Komplettpaket von Mutter Natur mitbekommen. Wenn man Beispielsweise abends alleine irgendwo entlangläuft und dann dieses mulmige Gefühl in einem aufkommt, man fühlt sich plötzlich unsicher, das kennen doch viele, oder? Unser Unterbewusstsein aktiviert da schon einmal langsam den Alarm und fragt ob wir da denn wirklich jetzt lang müssen? Dann schalten wir diesen Alarm oft selber ab und sagen uns selbst wir seien albern, was soll denn schon passieren…

Setzten wir doch jetzt einmal noch einen auf diese Situation drauf, wir haben uns entschieden weiterzulaufen und plötzlich kommen vor uns um die Ecke drei junge Männer die sich lautstark unterhalten, alle drei tragen Kapuzenpullis und wir sehen ihre Gesichter nicht, es ist wie gesagt schon finster und als sie uns bemerken werden sie ein wenig langsamer und sprechen jetzt auch leiser untereinander.

Normalerweise würden die Alarmglocken bei jedem jetzt schon so laut läuten, dass der Lärm im Kopf kaum zu ertragen ist. Wir werden nervös, fangen an schneller zu atmen, unser Hirn fängt an verschiedene Szenarien durchzuspielen, die Knie werden weich, alles sichere Zeichen dafür das unser Gehirn die potenzielle Gefahr schon längst erkannt hat und durch Adrenalin das jetzt in den Körper gepumpt wird uns auf eine entsprechende Reaktion vorbereitet, doch was machen wir? Na, wer ist jetzt ehrlich zu sich selbst? Ich bin überzeugt, dass die meisten trotzdem weiterlaufen würden, versuchen im Kopf zu rationalisieren und sich einzureden man würde sich doch alles nur einbilden. Und tatsächlich haben wir uns in diesem Moment alles vielleicht nur eingebildet, vielleicht sind das nur drei nette Jungs aus der Nachbarschaft die, wenn wir ihnen näher kommen freundlich grüßen, vielleicht… Vielleicht aber auch nicht!

Natürlich geht es hier auch nicht darum Paranoia zu verbreiten und in Zukunft verängstigt durch die Welt zu laufen oder gar sich zu Hause einzusperren um sich sicher zu fühlen. Nein, das ist nicht Sinn der Übung und wie in so vielem im Leben geht es um das richtige Maß. Wie ja auch schon der Name sagt, geht es bei Situationsbewusstsein um situationsbezogenes Denken. Es gibt in unserem Alltag Situationen die wir mit einer gewissen Rutine durchführen, wir bewegen uns fort an Orten die wir gut kennen, sind in Kontakt mit Menschen die uns vertraut sind und wir fühlen uns sicher in dieser uns bekannten Umgebung. Dem spricht auch nichts entgegen, man muss ja gar nicht immer den Superagenten spielen und jedem Menschen dem wir im Alltag treffen mit Misstrauen und Angst begegnen. Befinde ich mich in einer Alltagsituation und irgendetwas ist ungewöhnlich, reagiert unsere Wahrnehmung automatisch und macht uns darauf aufmerksam, wir müssen ja nur zuhören! Wir sehen und bemerken vieles, vor allem wenn etwas ungewöhnlich ist, ein Auto mit fremden Kennzeichen das in der Nachbarschaft schon den zweiten Tag an einer anderen Stelle geparkt steht, ein unbekannter den man noch nie hier gesehen hat, der auf dem Spielplatz auf der Bank sitzt und den Kindern beim Spielen zusieht, jemand der einem auffällt durch irgendetwas oder man hat dieselbe Person heute schon einmal bemerkt, all dies sind klare Zeichen das man seine Vorsicht und Bereitschaft eine Stufe höher schalten sollte. Natürlich können, dass alles reine Zufälle sein und unsere Vorsicht war unbegründet, oder aber auch nicht!

Eine ganz andere Situation ist es dann z.B., wenn man sich bewusst in eine Umgebung begibt in der man sich von vornherein Vorsichtiger verhalten muss. Was sind das für Situationen? Wenn ich mich z.B. abends alleine von der Bushaltestelle auf den Heimweg mache und mich dabei sowieso immer etwas verunsichert fühle, oder jede andere Situation in der ich mir schon selbst vorstellen kann das ein gewisses erhöhtes Risiko besteht, sei es, dass ich gerade Geld am Geldautomaten abgehoben habe oder ich in der Tiefgarage zum Auto laufe und es dort ein wenig düster und verlassen ist. Beispiele aus dem wahren Leben gibt es doch unzählige und ich kann sie gar nicht annähernd alle hier aufzählen. Man muss seine Wahrnehmung der jeweiligen Situation anpassen und entsprechend die Vorsicht erhöhen, wenn wir uns unsicher fühlen, uns an Orte begeben die uns unbekannt sind, oder von Menschen angesprochen werden die auf irgendeine Weise gefährlich auf uns wirken. Ich würde hier als goldene Regel vorschlagen sich solche Situationen aus der Perspektive von Eltern anzusehen die Ihre 16-jährige Tochter zum ersten Mal alleine abends ausgehen lassen. Was ihr eurem Kind an guten Ratschlägen mit auf den Weg geben würdet solltet ihr vielleicht auch für euch selbst anwenden.

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2019-05-18T17:40:54+00:00
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