TAKTIK

1.3 Was hat Taktik mit Selbstverteidigung zu tun?

Nachdem wir nun schon festgehalten haben, dass sich Selbstverteidigungssysteme schon in Ihrer Zielsetzung wesentlich, sowohl von Kampfkunst, als auch von Kampfsport unterscheiden, kommt dies besonders zur Geltung, wenn man das Element der Taktik mit ins Spiel bringt.

Das primäre Ziel der Selbstverteidigung ist es, potentielle Gefahrensituationen und eventuelle Angriffe unversehrt zu überstehen und letztendlich sicher nach Hause zu kommen. Logischer Weise ist daher die ideale Lösung eines Konfliktes, dass es gar nicht erst zu einer Auseinandersetzung kommt! Taktik im Kontext der Selbstverteidigung ist daher für uns, das nutzen aller zur Verfügung stehenden Ressourcen um einen Konflikt in erster Linie zu vermeiden. Sollte es letztendlich unvermeidbar sein und es doch zu einem Angriff kommt, ist es unser Ziel diesen so einfach, schnell und effektiv wie möglich zu beenden und uns in Sicherheit zu bringen. Dies wiederum beinhaltet auch die Verwendung von Gegenständen die uns bei der Verteidígung helfen können, z.B. Taschen, Stühle, Gegenstände die zum Schlagen verwendet werden können, usw. Spätestens hier wird langsam jedem klar, dass Selbstverteidigung kein Sport und definitiv kein Fitneskurs ist! Es geht hier schließlich um unser Leben und der, oder die Angreifer sind alles andere als fair. Um zu überleben müssen wir daher noch entschlossener, einfallsreicher und aggresiver als der Angreifer sein! All das gehört für uns in die Kategorie Taktik, denn es handelt sich um Strategien die wir uns ausarbeiten und zurechtlegen müssen, bevor wir in gefährliche Situationen kommen, denn dann ist es nämlich vielleicht bereits zu spät!

Wir wollen selbstverständlich die ganze Idee der Selbstverteidigung so einfach wie möglich halten, wir haben ja auch schon erwähnt, das es recht schwierig wird unter dem Einfluss von Angst, Stress und Adrenalin komplizierte Aktionen auszuführen. Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht wie man denn dann jetzt in solchen Situationen auch noch an Strategien denken soll? Die Antwort ist hier aber wieder recht einfach, man macht das bevor man in so eine ausweglose Situation kommt. Das ganze Prinzip rund um die Taktik können wir zur Vereinfachung generell in vier Phasen aufteilen.

„AWARENESS – AVOIDANCE – FLIGHT – FIGHT “ – Aufmerksamkeit, Vermeiden, Flucht, Kampf

Hinter diesen vier Begriffen verbirgt sich ein relativ einfaches Konzept, dass leicht zu verstehen ist und daher auch leicht anzuwenden ist. Wir werden auf all diese einzelnen Phasen noch ausführlich zurück kommen, jetzt geht es erst einmal rein um das Verständniss des Prinzips. Es handelt sich also um ein Konzept mit mehreren Eskalationsstufen, wie ein Ampel System. AWARENESS – Unter dem Begriff Aufmerksamkeit verstehen wir Situationsbewusstsein, oder das aktive Wahrnehmen unserer Umgebung um potenzielle Gefahren rechtzeitig zu erkennen. AVOIDANCE – Wenn wir Gefahren rechtzeitig erkennen, können wir ihnen meist auch erfolgreich aus dem Weg gehen und verhindern somit, dass es überhaupt zu potenziellen Konflikten und Auseinandersetzungen kommt. FLIGHT – Finden wir uns doch unerwartet in einer Gefahrensituation wieder, erhöhen wir die Eskalationsstufe jetzt und versuchen uns durch Flucht in Sicherheit zu bringen. FIGHT – Der Kampf ist hier die allerletzte Option, die wir grundsätzlich nur wählen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt, denn jede körperliche Auseindersetzung birgt in sich das Risiko für schwerwiegende Folgen, von rechtlichen, über Verletzungen und eventuell sogar dem Tod. Um dieses Prinzip erfolgreich anwenden zu können, müssen wir uns allerdings rechtzeitig Gedanken machen, um Gefahren richtig einzuschätzen und erkennen zu können und um Strategien zu entwickeln, wie wir in solchen Situation reagieren müssen.

All das ist nicht wirklich kompliziert, im professionellen Bereich werden solche Sicherheitskonzepte regelmäßig angewendet, es ist nur für uns „Normalos“ neu. Wahrscheinlich haben die meisten sich nie bewusst mit potenziellen Gefahren auseinadergesetzt, oder höchstens vielleicht wenn man mal wieder irgendwo jemand etwas passiert ist, dann redet man schon mal über solche Ereignisse, aber die wenigsten fragen sich wirkich, was sie denn in so einer Situation tun würden? Stattdessen wird dann oft rumgequaselt, dem würde ich’s zeigen, ne Knarre müsste man haben, na ja ich bin sicher viele kennen diese Geschichten in unzähligen Variationen. All das was ich euch hier unter der Rubrik Taktik vermitteln werde, ist nicht aus einem Lehrbuch für Geheimagenten oder Bodyguards, na gut zugegeben vielleicht Teilweise schon, aber Spaß beiseite, es ist eigentlich alles nur gesunder Menschenverstand. Wenn ich sagen würde, hey heute ist ne Demo einer fremdenfeindlichen Partei in der Stadt, die angeblich von einer großen Antifa Gruppe gestört werden soll und deswegen sind Hundertschaften der Polizei vor Ort, sollen wir da nacher mal vorbei gehen und ein Eis essen? Ich gehe davon aus, dass die meisten verstanden haben worauf ich hinaus will, um die anderen tut es mir natürlich leid… Es geht also primär darum bei der Planung unserer alltäglichen Aktivitäten, die persönliche Sicherheit, sowie die unserer Familie aktiv mit einzuplanen. Wenn das Wetter schlecht ist, nehmen wir Regenschirme oder Regenmantel mit, wenn wir einen Ausflug planen denken wir an Wasser, Vesper, warme Kleidung, usw. Es ist erstaunlich wie wenig wir über unsere persönliche Sicherheit nachdenken, dabei kann ein wenig gesunder Menschenverstand viele potenzielle Gefahren einfach eliminiren, bevor es überhaupt zu solchen Situationen kommt.

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2019-05-18T17:38:18+00:00
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